Mama hilf mir - bitte mach das weg

Als ich Tamara nach der OP so im Bett liegen sah - käseweiß im Gesicht und total kaputt von der anstrengenden OP - da kamen auch die Zweifel wieder hoch. Okay, zurück können wir nicht mehr. Und irgendwie wollen wir ja auch garnicht zurück. Aber das unter der Decke - das wollen wir nicht sehen - anfassen - oder sonstwas.

 

Als der erste Verbandswechsel anstand, hätte ich mich fast übergeben. Dieser Anblick war für mich so grauenvoll. Was hatten die nur mit meinem Liebling gemacht ? Tamara weigerte sich, hinzusehen.

 

Erst beim zweiten Saubermachen wagte sie einen Blick. Ihre Augen wurden riesengroß und sie sagte mit Tränen in den Augen "Mama hilf mir - bitte mach das weg". Dieser Schmerz in mir war unbeschreiblich. Und doch musste ich jetzt, selber immernoch total ferngesteuert, diesem Kind Mut zusprechen und sie motivieren.

 

Ganz schlimm war am Anfang der Weg zur Toilette.

Der erste Versuch endete bei ihr im Kreislaufkollaps. Die Bettpfanne war die peinliche Alternative.

Der zweite Versuch fand unter viel Geschrei statt. Sie war total überfordert und konnte sich nicht vorstellen, dass das Gestell sie hält. Zumal am Anfang bei jeder Bewegung noch Blut aus den Wunden kam.

 

Vom Duschen ganz zu schweigen - sie schrie und brüllte - aus Angst es könnte brennen. Nach einer gefühlten Unendlichkeit merke sie dann aber, dass nichts passiert. So konnten wir sie schön abduschen - aber das nächste Gebrüll kam bei der Desinfektion.

 

Insgesamt dauerte der Spuk 3 Tage. Ab da ging es bergauf und es kam eine gewisse Form der Normalität.

Als dann nach der täglichen Lymphdrainage noch die Physio losging und sie merkte, dass man sich mit Fixateur bewegen kann, wurde sie sehr mutig und hatte den Willen zur Selbständigkeit.