Der Tag der OP / 11. März 2010

In der Früh waren Tamara und ich wie erschlagen von der Nacht. Meine Angst fühlte sich grenzenlos an - denn trotz all der Gespräche mit Ärzten und das Lesen im Internet war es eine fremde und unheimliche Situation. Gleich würde man mir mein Kind abnehmen - und die Vorstellung, was sie mit ihrem Bein machen, trieb mich beinahe in den Wahnsinn.

 

Sie bekam einen "leck-mich-am-Arsch-Saft". Anfangs wurde sie wie immer müde. Dann fing sie (auch wie immer) zum Fantasieren an. Aber dann fing sie bitterlich zum Weinen an - zeigte in die Ecke des Zimmers und sagte "Mama, ich habe Angst - dort oben ist der Tod". Tränen kullerten an ihr herunter und mit ihrem wackeligen Kopf drückte sie sich an mich, klammerte an mir fest.

 

Meine Gefühle kann ich hier garnicht in Worte fassen. Auch wenn die Schwestern dann meinten ich solle das nicht so ernst nehmen - sie fantasiere ja nur..... Aber wenn das eigene Kind so etwas sagt....

 

Als ich sie im OP abgegeben habe, nahm mich erst mal Sandra (unsere gute Seele dort) in den Arm. Dann ging ich zurück ins Zimmer und hatte unbeschreibliche Angst. Kurz vorher war mein Stiefpapa gestorben - und als ich mit meiner Mama telefonierte und ihr die Geschichte erzählte - da waren wir uns einig: das war kein schlechtes Zeichen. Ganz im Gegenteil. Das ist mein Stiefpapa gewesen, den sie da sah - und der paßt auf sie auf.

 

So war es dann wohl auch (?). Die OP verlief hervorragend und ich war so dankbar.

 

Wir durften dann in den Aufwachraum und bei ihr sein, wenn sie wieder komplett wach wurde. Sie hatte Hunger und Durst, aber außer einem Wattestäbchen mit Zitronengeschmack gab es erstmal nichts für sie. Erst später ein Schluck Wasser, dann Zwieback, und danach Nudelsuppe. Abends durfte sie normal essen.

 

Ständig hatte ich Angst, an sie ran zu stoßen - etwas "kaputt" zu machen. Ihr weh zu tun. Das war wirklich extrem anstrengend für mich. Dazu mußte ich versuchen sie aufzumuntern, weil sie nun auch Angst bekam, was unter dem dicken Verband verborgen sein mag. Ein "harmloses" Bild von einem Fixateur kannte sie ja schon. Aber sowas am eigenen Bein zu haben..... Ohne es eben mal so weg tun zu können....

 

Für den ersten Tag mußte sie auch nicht aufstehen.