Der zweite emotionale Supergau

Als Tamara als Baby so krank war, zog es mir schon die Füße weg - und ich dachte, ich kann nie wieder atmen vor lauter Angst.

 

Am 23.12.2009 sollte mich das gleiche Gefühl noch einmal überrollen. Ich bekam einen Brief von der Schön-Klinik, dass wir die nächste Ausfräsung nicht machen können. Tamaras Wachstumsfuge ist weg - alles weg gefräst - es ist nur noch "normale" Knochensubstanz vorhanden. Der nächste Schritt ist ein Fixateur externa.

 

Heute weiß ich nicht mal mehr, wie lange ich schreiend und weinen durch das Haus lief. Wieso musste dieser brief noch vor Weihnachten kommen ? Was sollen das nur für Feiertage werden.

Und ich hatte so viel Gesprächsbedarf - so viele Fragen - so viele Ängste.

 

Also rief ich in der Klinik an, ob denn der Chefarzt noch da wäre. Wie konnte es anders sein, als dass er schon auf dem Weg in den Urlaub war. Am Boden zerstört rannte ich weiter im Haus hin und her, auf und ab.

 

Nach einiger Zeit klingelte das Telefon. Es war Dr. Bernius. Seine Sekretärin hatte ihn wohl noch erreicht - und obwohl er offiziell schon im Urlaub war, nahm er sich fast eine ganze Stunde Zeit für mich. Einmal mehr wurde mir klar, dass dieser Mensch ein ganz besonderer ist.

 

Gut, Weihnachten wurde nicht so stimmungsvoll, aber zumindest waren meine Fragen geklärt und ich musste nicht mit sinnlosem Grübeln abwarten. Die Angst aber - die blieb.

 

 

 

 


Der 11. März 2010

Dieser Tag war der frühest mögliche OP-Tag für Tamara. Und ich hatte damals extra noch auf die Mondphasen geachtet (was ich sonst nie mache), um einen günstigen Tag für eine Knochen-OP zu erwischen. Ich wollte das so schnell wie möglich hinter uns bringen.

 

Am Vortag mussten wir ja schon da sein, wegen dem Narkosevorgespräch. Das half, mit gefühlten Millionen Komplikationen, nicht gerade mich zu beruhigen. Aber in Ermangelung von Alternativen blieben wir.

 

Auf der Station waren wir ja schon bekannt - so blieb wenigstens das befremdliche Gefühl aus.