Die Wachstumsfuge streikt

Tamara hat ihre OP aus 2004 gut überstanden. Auch wenn wir psychisch noch immer daran zu knabbern hatten - erinnern uns die Narben doch täglich daran, welches Glück sie hatte - dass sie leben darf.....

 

Sie zieht sich an Stühlen und Tischen hoch und steht :)

Aber laufen..... Nein, laufen will sie nicht - zumindest nicht allein.

 

Irgendwann kommt es mir komisch vor. Also besuche ich mit Tamara einen Orthopäden. Und da bekomme ich (mal wieder) eine Aussage, die mich an allem zweifeln läßt.

 

Tamaras rechtes Bein ist kürzer als ihr linkes. Sie findet ihr Gleichgewicht nicht und deswegen läuft sie nicht.

 

Nachdem ich ja mittlerweile die Frage nach dem "wieso" schon millionenfach gestellt hatte, war in meinem Kopf eine Mischung aus Panik und Leere.

Nach München sollten wir mal gehen - in Bogenhausen haben sie einen super Arzt, der kann uns helfen. Gesagt - getan. Ich nahm den erstbesten Termin.

 

Abgesehen von den optisch negativen Eindrücken dieses Bunkers war das Gespäch mit dem Arzt der reinste Witz. Wir sollen alles so lassen wie es ist - und warten, bis die Beine eine Diffferenz von 8 bis 12 cm haben. Dann operiert er und macht das rechte Bein länger. NEIN !!!! Niemals lasse ich mein Kind jahrelang so herumlaufen - ohne die Möglichkeit, sich körperlich  kindgerecht zu entwickeln.

 

Heute weiß ich nicht mehr genau wie, aber ich bin auf das OrthoZentrum München-Harlaching gestossen. Die heutige Schön-Klinik. Und ich bin allen Mächten des Universums dafür dankbar.

 

Hier fanden wir nicht nur eine positive Grundstimmung, sondern auch einen Arzt, der seinen Beruf nicht nur ausübt, sondern ihn lebt. Er machte den Vorschlag, einen Kananl in den Knochen zu fräsen und all das aus der Wachstumsfuge raus zu holen, was das Wachstum beeinträchtigt. Er konnte nicht sagen, ob es bei einer OP bleibt, aber zumindest war da die Möglichkeit, dass das Bein selbständig weiter wächst.

 

Er hatte es mir mal so erklärt:

Als in Tamaras Knochen die Löcher von den Bakterien waren, war das für den Körper eine Baustelle - ähnlich wie bei einem Bruch. Und es geschah etwas eigentlich total sinnvolles - die Löcher wurden geflickt. Das nicht so gute an der sache war, dass der Knochen an dieser Stelle die Konsistenz eines erwachsenen Knochen hat. So..... ich hoffe Du kannst mir noch folgen :D

Dieser härtere Teil des Knochens wird von der Wachstumsfuge als erwachsener Knochen wahrgenommen. Würde die Wachstumsfuge denken können, würde sich das so anhören: "ooooh, die Tamara ist 12 Jahre alt, der Knochen erhärtet sich - prima - ich kann das Wachstum einstellen".

 

Tja, so wurde also im July 2005 die Wachstumsfuge an manchen Stellen ausgefräst -  und wir gaben wie Hoffnung nicht auf, dass jetzt endlich alles gut ist.