Ein Fleck am Auge

Im Dezember 2003 kam unsere kleine Maus auf die Welt. Alles schien perfekt. Sie war gesund, ihre Schwester platzte vor Freude und auch für uns war die Welt rosarot.

 

Kurz vor der Entlassung erfuhren wir, dass sie am Auge einen grauen Star hat - einen Flecken von dem man so spontan nicht weiß, ob sie jemals richtig sehen können wird. Unsere rosarote Welt brach ersteinmal zusammen. Bis heute sind wir mit ihr regelmäßig beim Augenarzt und sie hatte Glück - der Fleck liegt gerade so, dass es die Ausbildung ihres Sehnerves nicht beeinträchtigt.

 

Hätten wir gewußt, dass es noch schlimmer kommt, hätten wir uns über "sowas" garnicht erst aufgeregt...

 

 

 

 


Ein unbeschreiblicher Schmerz

Es ist Januar 2004. Der Schock mit dem grauen Star ist einigermaßen verdaut.

 

Tamara hat mehr Probleme mit dem Bäuchlein als Katharina seinerzeit. Also wird ein bischen "Fahrrad gefahren" um das Gedärm in Schwung zu bringen. Wie man das halt bei Babys so macht, neben dem Bäuchlein massieren.

 

Ein Wochenende in der Früh.... ist ihr rechtes Knie nicht nur blau, sondern fast schon schwarz. Und total angeschwollen. Ich schreie meinen Mann an, was er denn mit ihrem Knie gemacht hat. Vom Radfahren in der Luft kann doch sowas nicht passieren. Meine Güte !

 

Nach dem ergebnislosen Rumrätseln fahren wir also ins Kinderkrankenhaus. Tamara wird untersucht und es wird Blut abgenommen. Dann noch ein Röntgenbild.

 

Der Arzt schickt uns raus... Au weia.... Haben doch wir unserem Kind versehentlich weh getan.  Tausend Gedanken kommen uns....

 

Plötzlich rennt ein Arzt in das Zimmer. Und damit meine ich wirklich rennen. Danach ein zweiter und ein dritter. Mir wird schlecht. Nehmen sie uns das Kind weg? Wir haben doch garnichts getan....

 

Dann kommt der erste Arzt zu uns raus.

 

Tamara wäre sehr sehr krank. Ihr Körper ist voller Staphylokokken, er bangt um ihr Leben. Sie braucht sofort ein Not-OP.

Ich fühlte mich wie im Film. Alles um mich herum verschwand. Das Krankenhaus, mein Mann, Katharina.... Ich sah nur noch einen Tunnel und an dessen Ende diesen Arzt. Mir wurde schwarz vor Augen und ich dachte ich sterbe jetzt vor Angst. Der Tunnel wurde enger, die Luft weniger. Mein Todesurteil.

 

Aber dann kam der Mutterinstinkt hoch - ich muss um das Leben meines Kindes kämpfen !!!!!

 

 

 

 


Eine schwere OP und ihre Folgen

Bis heute weiß ich nicht, wie ich diese Zeit geschafft habe. Vermutlich ist es dieser angeborene Löweninstinkt einer Mutter.

 

Die OP dauerte 4 Stunden. Die Bakterien hatten sich in Tamaras Knochen rein gefressen. Direkt über dem Knie. Der Arzt meinte, weil es da so gut durchblutet ist. Die Stellen wurden dann ausgefräst.

 

Der offizielle Ausdruck für ihre Krankheit ist Osteomyelitis.

 

Leider hat sich die Maus zweimal den Zugang selber raus gerissen, so dass sie immer neu gestochen werden musste. Einmal ging es ihr danach garnicht gut und sie verlegten sie auf die Intensivstation.

 

Wir waren eh isoliert - und zwar ganze 3 Wochen lang. Für meine Große war das wohl wie ein Horrortrip.  Erst die Freude wegen dem Baby, dann das mit dem Auge - und jetzt werden ihr Mama und Schwesterchen für 3 Wochen weg genommen. Wann immer es möglich war, versuchte ich dennoch Zeit mit ihr zu verbringen - wenn es auch nur im Krankenhaus war....

Später hatten wir eine nette Schwester, die Katharina mehr oder weniger heimlich rein lies - schön desinfiziert und so ;)

 

All die Zeit schaffte ich es, Tamara zu stillen. Das war für mich wie ein Sieg gegen das Schicksal. Egal zu welcher Uhrzeit sie mich auch von der Intensivstation anriefen, ich torkelte hoch und stillte mein Mäuslein.

 

Tamara bekam 3 Monate lang 3 verschiedene Antibiotika. Und ich Fressanfälle....